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Der Confed CUP rückt in Brasilien in den Hintergrund

In Brasilien rückt der Confed Cup 2013 für die meisten Brasilianer eher in den Hintergrund, obwohl die brasilianische Nationalmannschaft mit ihrem glücklichen 2:1 Sieg gegen Uruguay in das Finale einziehen darf. Auf zwei brasilianischen Fernsehsendern wurde das Spiel übertragen, auf zwei anderen Fernsehsendern die landesweiten Demonstrationen ausgestrahlt.

Die Großteil der Menschen erkennt, dass die derzeitigen Probleme in Brasilien dringender sind als das Abschneiden Brasiliens bei irgendeinem Fußballpokal. Und die Brasilianer sind Meister im Verdrängen von Problemen. Sowohl im privaten Bereich als auch im öffentlichen. Amanha. Morgen. Jaja, morgen so hoffen die Brasilianer werden sich ihre Probleme in Luft auflösen, aber das ist eben nicht der Fall.

Tagtäglich sind sie mit Gewalt, Stress, Angst konfrontiert. Angst um das blanke Überleben. Um das eigene als auch das der nahen Familienangehörigen. Da können auch ein Gewinn eines Fußballcups nicht die eigene Welt in ein ruhiges, gutes Leben verwandeln.

Die Tickets für die Vorrundenspiele angefangen bei 57 brasilianischen Reais (ca. 20 Euro) klingt sicherlich nicht viel für einen in Deutschland lebenden Fußballfan. Da sind sicherlich Zweitligaspiele in Deutschland teuerer. Aber hier ist Brasilien. Und mit 57 Reais ernährt eine arme vier- oder fünfköpfige Familie sich drei oder mehr Tage. Jaja, werden sich viele Fußballfans sagen, ich kann das Gejammer nicht mehr hören, dass in Afrika Kinder verhungern. Afrika ist für mich ganz weit weg, denken viele. Aber Europa ist mittlerweile nicht weit davon entfernt, sich nach unten anzugleichen. Wenn die Armut nebenan einzieht, dann, ja erst dann fangen die meisten Menschen das denken an. Und zu meiner eigenen Schande muss ich eingestehen, dass es bei mir nicht anders gelaufen ist, auch wenn ich schon von frühester Jugend von meinen Eltern dafür sensiblisiert wurde.

Aktuelle Tagespreise hier in Pernambuco:

Kilo Tomaten: 2 Reais

Kartoffeln: 4 Reais

Zwiebeln: 4 Reais

10 Limetten: 1 Reais

1 Ananas: 2 Reais

Kilo Reis: ca. 2 Reais

500gr. Nudeln: 1,40 Reais

1 Liter H-Milch: 2,80 Reiais

Kilo Schweinkotlett: 7 Reais

Kilo Rindfleisch mit Knochen zum kochen: 9 Reais

2 Liter Cola: 2,80 R$

2 Liter Coca Cola: 4 R$

1 Dose Bier 473, ml: 2,4 R$

20 Liter Mineralwasser: 3,5 Reais. Das Leitungswasser ist meist nicht trinkbar und sollte nicht bei allen Speisen zum kochen verwendet werden.

978 ml Pitu Chacaca (Zuckerrohrschnaps) in der praktischen Mehrwegflasche (sic!): 3,70 R$ (ca. 1,8 Euro). Jippieeee, davon träumt jeder Alkoholiker. Schnaps in Mehrwegflaschen.

Da wundert es nicht, dass vielen Brasilianern der Weg ins Stadion verwehrt bleibt.

90 Minuten Fußballspiel oder 4 Tage Familie ernähren? Ganz wie es Euch gefällt.

 

 

 

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Komisch: Brasilien besiegt beim Confed Cup Uruguay und hat danach immer noch dieselben Probleme

Es ist irgendwie seltsam. Brasilien besiegt Uruguay im Halbfinale mit einem glücklichen 2:1 und kein einziges Problem, dass Brasilien in die Zange genommen hat, hat sich in Luft aufglöst.

Auf den Straßen wird immer noch Mord, Totschlag, Raub und Vergewaltigung von den Verbrechen praktiziert. Interessant waren die gestrigen Live-Bilder aus einem Polizeihubschrauber, der Jugendbanden filmte, die Passanten die Handtaschen und Rucksäcke klauen. Die Polizei konnte nicht eingreifen, denn diese mußte ja den Bürgermeister, Gouvernor und ihre Regierungssitze schützen und die bösen Demonstranten in Schach halten.

In den Krankenhäusern sterben einfach mal so reihenweise Brasilianer jeden Alters, weil einfach kein Arzt vorhanden ist, dieser überarbeitet ist oder die hygienischen Zustände so katastrophal sind, dass einige Brasilianer es vorziehen, lieber zu Hause zu sterben.

Lehrer gehen immer noch nicht in die Schule, weil sie vielleicht seit Wochen nicht bezahlt wurden.

Die Korruption ist immer noch nicht verschwunden.

Ebenso die wachsende Inflation.

Einem meiner Untermietern geht das ganze ziemlich am A... vorbei. Sowohl der Confed Cup als auch die Demonstrationen. Für mich völlig unverständlich. Zumindest bei dem einem Punkt. Das Vieh sieht ziemlich fertig aus, dass kommt daher, weil das Eulchen sich jeden Tag mit Maracujasaft zudröhnt. Danach ist einem einfach alles wirklich piep, schnurz egal.

Einem meiner Untermietern geht das ganze ziemlich am A… vorbei. Sowohl der Confed Cup als auch die Demonstrationen. Für mich völlig unverständlich. Zumindest bei dem einem Punkt. Das Vieh sieht ziemlich fertig aus, dass kommt daher, weil das Eulchen sich jeden Tag mit Maracujasaft zudröhnt. Danach ist einem einfach alles wirklich piep, schnurz egal.

Im brasilianischen Fernsehen wurde auf zwei Kanälen das Fußballspiel übertragen und auf weiteren zwei wurden über die landesweiten Demonstrationen berichtet.

Gerade in Bello Horizonte glichen die Straßensperren und das Großaufgebot der Polizei den Zuständen bei einem G8 Gipfel.

Vor einigen Tagen hatte ich bereits den Vorschlag gemacht, das man sämtliche G 8, G 20, Klimagipfel, Davos, Fußball WM, Formel 1 und Olympiade an einem Ort und über 1 Monat austragen sollte, dass würde die Sicherheitskosten erheblichen senken und wir würden nicht dauern über die Medien belästigt werden. Man könnte ja Sonderausgaben drucken und für die Berichterstattung tausende von Praktikanten einstellen, die man dann mit der Hälfte der festangestellten Medienmitarbeiter nach Beendigung dieser Großveranstaltung wieder feuern könnte, weil es ja die nächsten Monate nichts Unwichtiges mehr zu berichten gäbe.

Außerdem müßten die Nutten äh – böses Wort – Anstandsdamen klingt medienverträglicher und vielleicht auch politisch korrekter, nicht dauernd durch die Welt fliegen und könnten somit auch Ressourcen schonen.

Und ich glaubte, nach diesem Fußballspiel wird das Paradies in Brasilien ausbrechen. Ich Depp, wie konnte ich nur so naiv sein. Und morgen erzähle ich Ihnen vom Osterhasen, mit dem ich dann nächstes Jahr in Ihrem Vorgarten die Eier verstecken werde.

Don´t come to the World Cup 2014

Die Massenproteste in Brasilien reißen nicht ab.

Mittlerweile sind es sechs Tage an denen vor allem junge Menschen hier in Sao Paulo auf die Straße gehen. Auslöser war die Fahrpreiserhöhung für die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Öffentlichen werden hauptsächlich von Studenten und der „ärmeren“ arbeitenden Bevölkerung benutzt. Und genau diese trifft es wieder einmal am härtesten. Auch wenn der Beförderungspreis nur um 30 centavos (ca. 10 Cent oder 20 Pfennig) angehoben wird, erscheint das auf den ersten Eindruck nicht besonders viel.

In Deutschland würde niemand auf die Straße gehen, weil er 10 Cent mehr zahlen muß.

Aber in Brasilien gibt es einen Mindestlohn, der jährlich gesteigert wird. Aktuell sind es 678 Reais, ca. 233 Euro

Die Rechnung hatte ich schon einmal in einem vorherigen Artikel beschrieben.

Die Fahrpreiserhöhung war nur der Auslöser. Doch unter der aufgewühlten Oberfläche der Bevölkerung schlummerte ein anders Belangen.

Die Korruption in Brasilien.

Politiker, Funktionäre, Beamte, Unternehmer schaufeln sich in einem Ausmaß die Taschen voll, wie wir es in Deutschland nicht kennen. In Deutschland erinnert man sich an Skandale über mehrere Jahre. In Brasilien wären sie nach Tagen vergessen, den die deutschen Skandale wären in Brasilien höchstens ein Skandälchen.

Hier besteht eine andere Wertigkeit über die Einschätzung der Korruption.

Angefangen haben die Massenproteste in Sao Paulo, der 10-Millionen Stadt. Mittlerweile gibt es heute am Dienstag, den 18. Juni 2013 in folgenden brasilianischen Großstädten Proteste:

  • Rio de Janeiro

  • Brasilia (Hauptstadt Brasiliens)

  • Porto Allegre

  • Bello Horizonte

  • Natal

  • Manaus

  • Fortaleza

  • Recife

In Brasilia wurde die Bannmeile durchbrochen und um den congresso national tummelten sich die Demonstranten. Präsidentin Dilma – wie nicht anders zu erwarten für eine Politikerin – verurteilte die gewalttätigen Ausschreitungen und heuchelte Verständnis für die friedlichen Demonstranten.

Bei ihrer Rede im Fernsehen, kam sie mir kreidebleich vor im Gesicht. Vielleicht erinnert sie sich daran, dass ihre Partei massive Bestechungsgelder für die Bürgermeisterwahlen letztes Jahr an die Bevölkerung gezahlt hatte, um Stimmen zu kaufen. Stimmenkauf ist hier in Brasilien nichts ungewöhnliches. Gerade in den verarmten Stadtteilen und im brasilianischen Hinterland freut man sich regelrecht auf Wahlen, egal welcher Art, den diese bedeuten ein kleines Nebeneinkommen. Das Abendbrot kann vielleicht zum Festessen mit etwas Fleisch, Fisch und Erfrischungsgetränken werden. Aber nicht nur die Partei der derzeitigen Präsidentin ging und geht auf Stimmenkauf. Fast sämtliche Parteien bewerkstelligen das. Wo die Gelder herkommen. Ja, da kann man nur spekulieren. Eins ist sicher: Das Geld wächst leider nicht auf Bäumen.

Die Menschen in Brasilien sind unzufrieden. Seit einigen Jahren wundere ich mich, wie leidensfähig diese Menschen sind. Straßen sind in einem katastrophalen Zustand. Das Gesundheitswesen ist zwiegespalten, es gibt die öffentlichen und privaten Krankenhäuser – Ärzte.

Lula ist natürlich in ein weltbekanntes fünf Sterne Hospital für seine Krebserkrankungen gegangen. In einem öffentlichen wäre er wahrscheinlich in der Notaufnahme verstorben.

Das Erziehungswesen ist ebenfalls eine Katastrophe. Plötzlich geht in Brasilien die Angst um, ein Fernsehbericht folgt dem anderen über dieses Thema, da fast kein Brasilianer Englisch spricht. Selbst in den günstigen Privatschulen bekommen die Schüler nicht einmal einen englischen Satz über die Lippen und das nach fünf Jahren Englischunterricht. Ein Großteil der Akademiker spricht kein bzw. gebrochen Englisch. Für einen Philosophen mag das vielleicht noch gehen, für einen Arzt aber sicherlich nicht, den sämtliche wichtigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen finden nun einmal in Englisch statt.

Die Gefahr bei diesen Protesten besteht wieder einmal darin, dass viele Menschen Hoffnungen in Veränderungen setzen, aber letztendlich diese Hoffnungen im Sande verlaufen. Die Sprecher/Funktionäre (natürlich selbsternannt und diejenigen mit der größten Klappe, aber nicht dem größten Intellekt), werden ganz schnell vom bestehenden System assimiliert. So wie halt auch die 68er und Bündnis 90/Die Grünen in Deutschland, die heute in Amt und Würden sitzen und teilweise politisch widerlicher agieren als die Politiker der alten Parteien. Aber so ist das halt in einer Demokratie. Kaum wird eine Partei regierungsfähig, schon kann man ihre einen Grabstein auf dem Friedhof der Demokratie setzen. Das bestehende demokratische System frisst sehr schnelle seinen Nachwuchs.

In Brasilien wird das nicht anders sein.

Ein Protestplakat beeindruckte mich besonders. „ Don´t come to the World Cup“ (2014). Boykottaufruf für die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien?

Stellen Sie sich einmal vor, dass niemand zur Fußballweltmeisterschaft nach Brasilien kommen würde, keiner dieses Sportereignisse in der Flimmerkisten verfolgen würde. Was wäre dann. Tja, die ganzen Investitionen wären für die Katz, die Investoren würden die FIFA bis zur Insolvenz verklagen. Die Sponsoren wären ebenfalls wütend. Keine Werbung mehr.

Mercedes will sich ja nun endlich auch aus der Formel 1 zurückziehen. „Weil es nicht mehr zeitgemäß ist.“ Was ist denn zeitgemäß? Dieser Werbecoup bringt einfach nichts. Punkt. BMW war da wesentlicher schlauer gewesen und hat sich schon vor Jahren zurückgezogen.

Doch zurück zur WM 2014.

Ein Boykott hätte weitreichende Folgen. Sofort wird man sicherlich wieder genügend Politiker, Konzernchefs, Banker und FIFA-Funktionäre hören, die kreidebleich verkünden würden, dass es so viele Menschen treffen würde, die von diesem Geschäft leben. Den diese Massensportveranstaltungen haben immer weniger mit Sport, aber immer mehr mit Geldverdienen zu tun. Geldverdienen für die Oberschicht. Tja hier findet auch eine Umverteilung statt. Nämlich von unten nach oben. Wiedereinmal. Nichts neues. Die „Eliten“ sitzen in ihren VIP Lounges, werden zu den Veranstaltungen per Helikopter geflogen, residieren in den teuersten Hotels und das Fußvolk schaut durch das Glas des Fernsehers, um dies mitzuverfolgen.

Vielleicht sollte man die G-8, G-20, Davos, sonstige unwichtigen Wirtschaftsgipfel, Umweltgipfel, die letztendlich wiedereinmal keine sinnvollen Ergebnisse bringen, außer den ortsansässigen und zugereisten Nutten, mit den Olympischen Spielen und der Fußballweltmeisterschaft zusammenlegen. Da könnte man dann nämlich Ressourcen sparen. Das Gebiet weiträumig mit Stachel- und Natodraht umzäunen, verminen, Panzergräben ausheben und 100 Abfangjäger stationieren, deutsche Flakpanzer nicht vergessen. Polizei nur äußerlich und lieber eine oder mehrere Divisionen Fallschirmjäger oder Marines zum Schutz des erlauchten Klientels bereithalten, um diese vor dem Pöbel/Wahlvolk zu schützen.

Ach ja. Gestern donnerten mehrmals Abfangjäger über unsere Wohngegend. Das erste Mal in fünf Jahren. In einer Höhe von 1000 bzw. später 2000 Meter. Vielleicht waren es auch weniger Meter.

Also auf zum Confed Cup 2013 und der WM 2014. Da wird Ihnen dann das neueste militärische Spielzeug vorgestellt werden.

Massenproteste in brasilianischen Großstädten gegen Korruption und WM 2014

Die Fahrpreiserhöhung der öffentlichen Verkehrsmittel (Busse) führte letzte Woche in Sao Paulo an mehreren Tagen zu Massenprotesten, an welchen sich hauptsächlich Studenten beteiligt hatten.

Donnerstag wurden in Sao Paulo 80 verletzte Demonstranten, 10 Journalisten und 12 Polizisten in Krankenhäuser eingeliefert. Die Polizei ging äußerst brutal gegen die Demonstranten vor, aber auch gegen Journalisten, obwohl diese meist leicht als Journalisten zu erkennen sind. Gummigeschosse, Tränengas und Schlagstöcke auf der einen Seite, Molotow-Cocktails und Steine auf der anderen.

Freitag Abend richteten sich die Demonstrationen (in Sao Paulo wurden ca. 6000 Demonstranten am frühen Abend gemeldet) nun nicht mehr nur gegen die Fahrpreiserhöhung, sondern auch gegen die Korruption rund um die Fußball WM 2014 und die Austragung derselbigen.

Rio de Janeiro, Natal, Porto Allegre vermeldeten ebenfalls Demonstrationen.

Brennende Autoreifen sind in Brasilien nicht ungewöhnlich. Der Unmut der Bevölkerung findet oftmals sein Ventil durch Straßenblockaden, bei welchen brennende Autoreifen und ausrangierte Möbel eingesetzt werden. Gründe sind die schlechte Gesundheitsversorgung, keine Grundversorgung mit Wasser, gefährliche Straßen, die keinem Fußgänger ein sicheres Erreichen der anderen Straßenseite erlauben.

Milliarden Euro wurden in den Neubau von Stadien ausgegeben, aber in den öffentlichen Krankenhäusern verrecken (sterben kann man das nicht mehr nennen) Babys in den Notaufnahmen, weil die Ärzte überlastet oder einfach keine Ärzte vorhanden sind.

In den nicht öffentlichen Krankenhäusern (hospital particular) werden Schwerverletzte von den Sicherheitskräften abgewiesen. In einigen Fällen führte die Abweisung zum Tode.

Schwerverletzte sterben vor Krankenhäusern…. Punkt. Hierzu braucht man nichts mehr kommentieren.

Und auf der anderen Seite ein korruptes System rund um den brasilianischen Fußball und die WM 2014.

Fast 22 Millionen Schweizer Franken flossen an João Havelange (der Vorgänger von Blatter bei der FIFA) und dessen Schwiegersohn Ricardo Terra Teixeira (Präsident des brasilianischen Fußballverbandes 1989 bis 2012).

Einen ausführlichen Artikel über die sogenannte ISL finden Sie hier in einem Spiegel-Artikel:

http://www.spiegel.de/sport/fussball/fifa-bestechungsskandal-isl-liste-belastet-fruehere-funktionaere-a-896688.html

Die Forderungen der Demonstranten sind sicherlich nicht unberechtigt, auch wenn die Forderungen erstmal auf bessere Bildung hinauslaufen. Es handelt sich bei den Demonstranten meist um Studenten. Weitaus dringendere Probleme gibt es in Brasilien zuhauf.

350 Millionen Euro soll der Aufwand für das Sicherheitsprogramm beim Confed Cup 2013 betragen. Für ingesamt 16 Fußballspiele!  Das macht pro Spiel 21,875 Millione Euro. PRO SPIEL!!!!!!!!

Überwachungskameras, Drohnen ja sogar unser allseits beliebter Flakpanzer Gepard findet hier seinen Einsatz. Die Sicherheit der Politiker, Funtionäre und Multimillionäre (Fußballer) muss ja gewährleistet sein. Die Zuschauer und Fußballbegeisterten sind ja nur nettes Beiwerk.

Die Ausgaben für die WM 2014 werden sehr wahrscheinlich noch höher ausfallen.

Aber von dieser WM 2014 oder Confed Cup 2013 werden ja alle profitieren. So die Politiker und FIFA-Funktionäre. Glauben schenken kann man solchen Aussagen schon lange nicht mehr, egal ob diese in Europa oder Südamerika getätigt werden. Es geht anscheinend einfach nur darum, sich die eigenen Taschen vollzuschaufeln.

Für viele Brasilianer bliebt der Confed Cup nur ein Traum. Auch wenn die Preise für die Tickets bei 57 Reais losgehen (ca. 20 Euro) sind es ca. 8 Prozent eines salario minimo (Mindestlohns).  Davon kann eine brasilianische Kleinfamilie von 4 Personen ca. 4 Tagen ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und man sollte nicht vergessen, dass sich Brasilien seit einigen Monaten in der Inflationsspirale befindet. 6,5 Prozent Inflation, so die offizielle Statistik.

Da verwundert es nicht, dass die Menschen auf die Straße gehen und solche Großveranstaltungen in Frage stellen. Millionengewinne und Champagner für  die Reichen, Brotkrumen für den Durchschnittsbürger.

Man sollte auch die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass in Brasilien immer noch Menschen verhungern.

In Sao Paulo ist die Hölle los – weil…. die Beförderungspreise für Busse erhöht wurden

Straßenschlachten, brennende Straßenblockaden und die Polizei reagiert überproportional agressiv. Es ist nicht der erste Tag, in welcher einen Welle von Straßenschlachten über Sao Paulo hinwegrollt.

Ist aber nicht so schlimm und es wird sicherlich nicht in der europäischen Presse darüber berichtet, den Sao Paulo ist ja kein Austragungsort für den Confed Cup 2013. Fußball ist ja wichtiger.

Kaum werden die Buspreise erhöht, kann man davon ausgehen, dass es zu Demonstrationen kommt, die dann auch meist in Zerstörungswut mancher Demonstranten endet. Die Polizei reagiert äußerst gereizt und setzt Gummigeschosse, Tränengas und Wasserwerfer ein.

Verletzte hat und wird es auf beiden Seiten geben. Ebenso wie vor einigen Wochen in Porto Allegre. Hauptsächlich Studenten gehen hier auf die Straße.

Der Gouverneur von Sao Paulo Geraldo Alckmin reagiert ebenfalls gereizt und wird die Buspreiserhöhung nicht zurücknehmen. Der Bürgermeister von Sao Paulo Fernando Haddad steht eher auf der Seite der Demonstranten und wirft der Polizei vor, an der Eskalation Schuld zu sein. Gouverneur und Bürgermeister scheinen sich nicht sonderlich zu mögen.

Die Bilder, welche über die Fernsehkanäle flimmern zeigen die Gewaltausbrüche und brennenden Straßenblockaden. Wahrscheinlich wird es auch an diesem Wochenende in Sao Paulo nicht sonderlich ruhig zu gehen.

Diese Proteste mögen sicherlich berechtigt sein, die Ausschreitungen sicherlich nicht und die Polizeigewalt ebenfalls nicht.

Die Polizeikräfte werden durch ihren Einsatz bei diesen Demonstrationen gebunden. Das wird wiederum die Kriminellen freuen, die können dann fröhlich wieder fast unbehelligt mit Drogenverkauf, Raub, Diebstahl, Vergewaltigung und Mord fortfahren.

 

Deutsche Panzer rollen wieder – diesmal nach Brasilien

Unter großer Medienbeteiligung kamen letzte Woche acht gebrauchte Flugabwehr-Panzer Gepard Typ 1A2 in Rio de Janeiro an.

Grund: Fußballspiele

Während man in Deutschland kaum darüber nachgedacht hat, wie die Fußball-WM 2006 gegen Anschläge gesichert wurde und es der Normalsterbliche in den Medien nicht präsentiert bekam, geht man hier in Brasilien ganz anders damit um. Hier wird nicht verschwiegen, dass die WM 2014 ein weiches Anschlagsziel für Terroristen ist. Unter großen Medienaufwand wurde fast schon Live im Fernseh der Schwertransport – abgesichert von Polizei und Militär, Polizeimotorräder als erstes (fast wie ein Staatsbesuch) – vom Anlandhafen über die Stadtautobahn nach Rio de Janeiro verlegt. Die Gepards auf Schwerlastzügen, aus einem Polizeihubschrauber medienwirksam in Szene gesetzt.

Der deutsche Bundespräsident Gauck war bei seinem Besuch in Brasilien Anfang Mai  weniger in den brasilianischen Medien präsent.

Deutschland verkauft also seine gebrauchten Panzer, insgeamt 34 Gepards, für 30 Millionen Euro nach Brasilien. Macht pro Panzer 882000 Euro. Gar nicht mal so teuer. Leider werden sie nicht an jeden verkauft. Auch ich würde mir gerne einen in den Vorgarten stellen um damit gefährliche Flugziele zu bekämpfen. In meinem Fall Mosquitos. Jaaa das wäre ja mit Kanonen auf Spatzen schießen. In diesem Fall auf Mosquitos.

SONDERANGEBOT: GEPARD 1A2 heute besonders günstig. NUR 882000 EURO. Gebraucht. Einsetzbar gegen Flugzeuge, Hubschrauber, Mosquitos und tiefliegende Schwiegemütter.  FOTO: Frank Ortmann Derwatz at de.wikipedia

SONDERANGEBOT: GEPARD 1A2 heute besonders günstig. NUR 882000 EURO. Gebraucht. Einsetzbar gegen Flugzeuge, Hubschrauber, Mosquitos und tiefliegende Schwiegemütter.
FOTO: Frank Ortmann Derwatz at de.wikipedia

Also zurück zu den Panzern. In 2 Wochen – Mitte Juni 2013 – findet der Confed Cup in Brasilien statt. Dieser soll als Testlauf für die WM 2014 gelten. 4 Panzer werden in Rio stationiert sein und 4 in der Hauptstadt Brasilia. Und die anderen Austragungsorte des Confed Cups bleiben erstmal ohne Schutz. Mut zur Lücke!

Die Panzer sollen an strategischen Orten plaziert werden, dass sie der Fußballfan nicht zu Gesicht bekommt. Könnte ja erschreckend wirken und vielleicht zum Nachdenken anregen, Und beides ist von der FIFA nicht erwünscht.  Also ich würde sie medienwirksam platzieren und vielleicht noch wie es die amerikanische Armee in Deutschland gehandhabt hat, an einem Tag der offenen Tür präsentieren, damit die Jungs dann auf ihnen rumklettern können. Ich fand das als kleiner Junge Klasse auf Panzerhaubitzen und Transportpanzern rumzukriechen.

Erstmal sind es nur acht Panzer, die restlichen 26 folgen dann 2014 und 2015. Die olympische Spiele werden also defintiv richtig abgesichert sein.

Außerdem finden die Panzer bei weiteren Veranstaltungen Verwendung: Weltjugendtag 2013 mit Papstbesuch, 2014 Fußball WM, 2016 Olympische Spiele. Klasse oder.

Interessant fand ich die Nachricht, dass die FIFA Brasilien zur Auflage gemacht hatte, die WM 2014 und den Confed Cup 2013 mit Flak Systemen zu sichern. Brasilien verfügt nämlich über kein modernes FLAK-System in irgendeiner form.

Ich verkneife mir folgende Ausführungen meiner Gedanken in textlicher Form:

1. Deutsche, gebrauchte Panzer ins Ausland „verschenken“, weil die Bundeswehr sparen muss. Ich dacht die Steuereinahmen sprudeln in Deutschland. Oder reicht das Geld nicht mehr, um die EU zu retten.

2. Die FIFA macht Auflagen im militärischen Bereich????

3. Terroristen in Brasilien???? Die trauen sich hier eh nicht her. Brasilien ist viel zu gefährlich für Terroristen!

4. Panzer für den Weltjugendtag? Papstbesuch? Na das sind ja rosige Aussichten.

Darüber können Sie dann die nächsten Monate nachdenken! Ich halte mich mit meinen zynischen Kommentaren erstmal zurück.

Brasilien und seine Waffen

Das Waffengesetz ist sehr rigoros in Brasilien. Nicht so wie in den USA, wo man sich Sturmgewehre fast im Supermarkt kaufen kann.
Diese Woche wurden Zahlen zur Quantität von Waffen im privaten Besitz veröffentlicht.

2003 waren 57 Millionen Waffen im Umlauf.

2009 waren es „nur noch“ 37 Millionen.

Ob die Zahlen stimmen? Wenn man in Brasilien nicht einmal die aktuellen Zahlen zu der Anzahl der brasilianischen Bürger kennt oder nicht weiß, wer wo wohnt und lebt, wie soll man dann wissen, wieviele Waffen es gibt. Ja die legal registrieten Zahlen kennt man vielleicht. Aber selbst da kommen mir Zweifel auf.

Nun können alle Aufatmen. Die Brasilianer und die Touristen.

Ein amerikanisch/französisches Paar wurde in Rio de Janeiro letzte Woche ausgeraubt und die Frau wurde vergewaltigt. Der Fall ging durch die internationale Presse. Handfeuerwaffen waren nicht im Spiel. Es reicht ja auch eine Eisenstange aus. Die drei Täter wurden bereits festgenommen.

Das gestern ein Kleinbus mit 10 deutschen Touristen auf dem Weg zur Christus Statue angehalten wurde, von zwei Autos mit fünf bewaffneten Verbrechern abgedrängt, ging schon wieder weniger durch die internationale Presse. Es fand auch keine Vergewaltigung statt, sondern das Eigentum wie Handy, Kameras, Kreditkarten und Geld wechselte nur den Besitzer. Verletzt wurde niemand.

Hauptsächlich Revolver befinden sich im Besitz der brasilianischen Kriminellen. Photo © by Jeff Dean

Hauptsächlich Revolver befinden sich im Besitz der brasilianischen Kriminellen. Photo © by Jeff Dean

Die brasilianische Bundespolizei nimmt reihenweise anonyme Hinweise zu illegalen Waffenbesitz entgegen. Richtig so. Das hunderttausende , wenn nicht sogar Millionen von illegalen Waffen in den brasilianischen Favelas kursieren, ist allgemein bekannt, jedoch reicht der Arm des Gesetzes nicht bis in die Elendsviertel. Dort regieren die Drogenbosse. So dürfen auch nur die Politiker ihren Wahlkampf in den Favelas führen und Plakate aufhängen, welche von den Drogenbossen genehmigt werden. Was das heißt, kann man sich denken.

Aufsehnerregend war der Abschuss eines Polizeihubschraubers in Rio de Janeiro im Oktober 209.  2 Polizisten verbrannten, 2 wurden schwer verletzt.

Die Kriminellen sind teilweise besser waffentechnisch ausgerüstet als die Polizei. Selbst die Eliteeinheiten der Policia Militar hat es in den Favellas schwer. Bei groß angelegten Razzien muss dann schon einmal das Militär herhalten. Einfache Infanterieeinheiten reichen hier mehr nicht aus. Da werden schon Fallschirmjäger eingesetzt.

Diese Waffe ist NOCH NICHT im Besitz der Drogenbosse. Glücklicherweise.

Diese Waffe ist NOCH NICHT im Besitz der Drogenbosse. Glücklicherweise.

Die aktuelle Lage in Brasilien kann man als chaotisch und gefährlich bezeichnen.

Touristen müssen endlich zur Kenntnis nehmen, dass Brasilien nicht die Toscana, kanarische Inseln oder Sylt ist.

Die Hinweise des Auswärtigen Amtes zu Brasilien finden sie hier.

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Laenderinformationen/00-SiHi/BrasilienSicherheit.html

Besonders interessant ist der Hinweis des Auswärtigen Amtes (findet man auch oft in den Internetforen über Brasilien):

Es ist ratsam, stets einen Geldbetrag zur widerstandslosen Herausgabe mitzuführen.

Also rechnen sie etwas Geld für die Verbrecher mit ein, wenn sie nach Brasilien reisen.

Einen guten,unterhaltsamen  Einblick  in die Zustände der Favelas finden sie in dem Spielfilm

Die Stadt Gottes

Sehr empfehlenswert. Wohl einer der besten Kinofilme, der jemals gedreht wurden.  Hollywood hat den Film nicht einmal zur Kenntnis genommen. Aber das ist ja bekannt. Es geht ja bei den Oscars um die eigene Filmindustrie.

Seien sie auf jeden Fall vorsichtig!